Adventskalender 2018

13. Dezember


Eng an Mama gekuschelt lag Toni in seinem Bett. Seitdem sie in seinem Zimmer erschienen war, weinte er. Tröstend streichelte Mama ihm über den Rücken, bisher erfolglos.

„Nimm es nicht so schwer, Anton! Wir wussten doch, dass es nicht leicht werden würde.“

Tonis Antwort ging in einem Schluchzen unter.

„Wir lassen den beiden einfach etwas Zeit und gehen es ruhiger mit den Überraschungen an“, fuhr Mama fort.

Toni sah sie erschrocken an: „Heißt das, du kommst nicht mehr?“

„Nein, natürlich komme ich weiterhin zu dir. Aber wir lassen ein paar Tage vergehen, bevor wir noch einen Versuch starten.“

„Das bringt doch alles nichts!“, sagte Toni und schnäuzte sich. „Kannst du dich Papa und Martin nicht auch einfach zeigen? Vielleicht hilft das, damit sie wieder normal werden.“

„Das geht leider nicht, Anton“, erklärte Mama. „Die beiden sind noch nicht so weit. Ihre Herzen sind noch so verschlossen, dass sie mich nicht sehen könnten.“

„Na toll“, seufzte Toni, „Martins Herz ist aus Stein, seitdem du tot bist. Um da irgendwas zu öffnen, brauchst du einen Panzer! Der Nikolausstiefel steht immer noch vor seiner Tür. Er hat ihn sich nicht einmal angesehen. Und an seinem Adventskalender sind auch noch alle Tüten zu.“

„Willst du aufgeben?“, fragte Mama.

Er wischte sich die Tränen weg, dann schüttelte er den Kopf.

„Natürlich nicht“, sagte er dann, „aber bis Heiligabend sind es nur noch siebzehn Tage und jeder Tag, der vergeht, bringt uns näher an den Tag, an dem du gestorben bist. Ich glaube nicht, dass Papa und Martin da plötzlich Weihnachtsgefühle bekommen werden.“

„Ich lasse mir etwas einfallen, Anton!“, antwortete Mama. „Und jetzt versuch zu schlafen!“

Toni schlang die Arme um ihren Hals und flüsterte: „Kannst du mir eine Geschichte vorlesen? So wie früher.“

„Das mach ich sehr gerne“, sagte sie und nahm ein Buch aus dem Regal. Gemeinsam kuschelten sie sich unter die Decke und Mama begann zu lesen. Toni schloss die Augen und stellte sich vor, dass tatsächlich alles wie früher war – vor Mamas Tod.

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