Adventskalender 2018

15. Dezember


„Wow!“, flüsterte Toni, als sie in die Küche kamen, und seine Augen wurden groß und größer. Der Backofen war vorgeheizt und alle Zutaten für den Teig standen schon bereit. Auf dem Küchentisch drängten sich kleine Behälter mit Schokostreuseln, bunten Zuckerperlen, Mandelplättchen und Kokosflocken sowie Tuben mit Lebensmittelfarbe.

„Deswegen warst du heute so spät dran“, sagte Toni.

Mama band erst ihm und dann sich selbst eine Schürze um.

„An die Arbeit!“, rief sie und klatschte in die Hände.

Toni gab die erforderliche Menge an Zutaten in eine Schüssel und Mama knetete einen Teig daraus. Nachdem sie ihn ausgerollt hatten, durfte Toni die Plätzchen ausstechen. Mama hatte viele verschiedene Ausstechformen vorbereitet, darunter Sterne, Rentiere und Tannenbäume. Doch Tonis Favorit hatte die Form einer Zuckerstange.

Als die ersten beiden Backbleche im Ofen waren, stahl sich ein verdächtiges Lächeln auf Mamas Gesicht.

„Was hast du vor?“, fragte Toni, der dieses Grinsen allzu gut kannte. Es lag eindeutig Blödsinn in der Luft.

Ohne Vorwarnung nahm Mama eine Handvoll Mehl und blies sie in Tonis Richtung. Der kreischte vor Vergnügen, nahm ebenfalls etwas Mehl und warf es Mama ins Gesicht. Innerhalb von Sekunden tobte eine Mehlschlacht in der Küche. Erst das Piepsen des Ofens unterbrach das wilde Treiben. Lachend strich sich Mama eine weiße Haarsträhne aus dem Gesicht und Toni ließ sich auf einen Küchenstuhl sinken.

„Das war klasse!“, keuchte er und begutachtete das Chaos, das sie angerichtet hatten. Boden und Schränke waren über und über mit Mehl bedeckt und Toni hatte keinen Zweifel daran, dass er ebenso mit weißem Staub überzogen war wie Mama.

„Lass uns weitermachen!“, sagte sie nach einer Weile.

Während Toni die fertigen Plätzchen verzierte, backte Mama Kokosmakronen, Vanillekipferl und Lebkuchen. In der Küche breitete sich ein herrlicher Weihnachtsduft aus.

Als sie mit allem fertig waren, setzte Mama sich zu Toni und stellte zwei Tassen mit heißer Schokolade auf den Küchentisch.

„Ihr habt ja nicht mal Marshmallows zum Eintauchen im Haus“, stellte sie kopfschüttelnd fest. „Wenn ich das gewusst hätte …“

„Ich sag doch, ohne dich geht hier alles den Bach runter!“, grinste Toni und nahm einen großen Schluck seiner Schokolade.

„Wir bringen das schon wieder in Ordnung“, sagte Mama und strich ihm über die Wange. „Unsere Plätzchen werden Wunder wirken.“

„Hoffentlich hast du recht“, erwiderte Toni, auch wenn er es sich nach der Pleite mit den letzten Überraschungen kaum vorstellen konnte.

Mama sah hinüber zu den Adventskalendern. Martin hatte seinen noch immer nicht angerührt.

Toni folgte ihrem Blick und sagte: „Wenigstens Papa freut sich jeden Tag über seine Pralinen.“

„Und wie gefallen dir deine Überraschungen?“, wollte Mama wissen.

„Die sind spitze!“, sagte Toni. Neben dem Sternenstaub hatte er bisher verschiedene Holzfiguren, Schokolade und ein kleines Bilderbuch in seinen Tüten gefunden.

„Es wird Zeit, Anton!“, sagte Mama schließlich und stand auf. „Ich räume hier noch auf und du gehst ins Bett. Es ist schon spät.“

Toni verabschiedete sich mit einer langen Umarmung von ihr und ging hinauf in sein Zimmer. Als er ins Bett kroch, dachte er darüber nach, wie es sein würde, wenn Mama irgendwann nicht mehr jede Nacht zu ihm käme. Sein Herz zog sich zusammen und er schob den Gedanken schnell beiseite. Noch war sie hier und das war die Hauptsache!

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