Adventskalender 2018

16. Dezember


Der leckere Geruch der Weihnachtsbäckerei hing noch immer in der Luft, als Toni am nächsten Morgen die Küche betrat. Auf dem Küchentisch stand ein Teller mit einer Auswahl der Plätzchen, die er letzte Nacht mit Mama gebacken hatte. Toni schnappte sich einen Lebkuchen und biss genüsslich hinein. Dann zündete er drei Kerzen am Adventskranz an und bereitete eine Tasse Kaffee für Papa und zwei Tassen heiße Schokolade für sich und Martin zu. Mama hatte gesagt, ihre Plätzchen würden Wunder wirken, aber es konnte bestimmt nicht schaden, wenn er noch ein bisschen nachhalf. Kaum hatte er die dampfenden Becher auf den Tisch gestellt, kamen sein Bruder und Papa schon zur Tür herein.

„Einen schönen dritten Advent wünsche ich euch“, sagte Toni.

„Toni, hast du etwa schon Kaffee für mich gekocht?“, fragte Papa und schien sich aufrichtig zu freuen.

Martin stand mit verschränkten Armen hinter ihm und verdrehte die Augen.

Toni nickte, dann wandte er sich an seinen Bruder: „Für uns beide habe ich Kakao gemacht.“

Martin murmelte etwas Unverständliches, das nicht besonders freundlich klang, aber er setzte sich an den Tisch und nahm einen großen Schluck aus seiner Tasse.

Papa atmete tief ein und legte die Stirn in Falten.

„Was riecht denn hier so gut?“, fragte er.

„Ich habe heute Nacht Plätzchen gebacken“, antwortete Toni und zeigte auf den Teller.

„DU hast gebacken?“, prustete Martin. „Und die Dinger soll man essen können?“

„Martin!“ Papa warf ihm einen mahnenden Blick zu. Er setzte sich, nahm ein Plätzchen und schob es sich in den Mund.

„Mmmmh, lecker!“, schmatzte er. „Los Martin, probier auch eins!“

Widerstrebend griff Martin nach einem Plätzchen. Während er kaute, sah er Toni ungläubig an. Er probierte auch eine Kokosmakrone und einen Lebkuchen. Mit jedem Bissen wurden seine Augen größer.

„Das gibt’s doch nicht!“, murmelte er schließlich. „Die schmecken fast wie die von …“

„Aber nur fast“, beeilte Toni sich zu sagen. „Niemand kann so gut backen wie Mama.“

Beinahe rechnete er damit, dass sein Bruder ihn wieder anschreien würde, weil er Mama erwähnt hatte, aber Martin starrte nur auf die Plätzchen und nickte.

„Danke, Toni“, sagte Papa und strich ihm über den Kopf. Dann fügte er hinzu: „Vielleicht war ich etwas voreilig damit, dir die Weihnachtsvorbereitungen zu verbieten.“

Toni traute seinen Ohren nicht. Sollten Mamas Wunderplätzchen tatsächlich so schnell wirken?

Doch schon grätschte Martin dazwischen: „Die Plätzchen sind ja ganz okay. Aber den ganzen anderen Weihnachtsscheiß, der dir noch einfällt, brauchen wir wirklich nicht!“

Toni sackte in sich zusammen. Sein Bruder war und blieb ein Ekel. Wie hatte er nur glauben können, dass ein paar Kekse etwas daran ändern konnten?

„Ich finde, wir sollten Toni wenigstens eine Chance geben“, sagte Papa und legte Martin eine Hand auf die Schulter.

„Eine Chance wofür?“, raunzte der und warf Toni einen vernichtenden Blick zu.

„Uns davon zu überzeugen, dass Weihnachten mehr ist als eine Zeit zum Trauern“, erklärte Papa.

„Macht doch, was ihr wollt!“, brummte Martin und stand auf.

„Setz dich wieder hin!“, sagte Papa ruhig und Martin ließ sich zurück auf den Stuhl fallen.

„Ich denke, wir sollten mal wieder etwas zusammen unternehmen“, fuhr Papa fort.

„Und was?“, fragte Martin gereizt.

„Es hat so schön geschneit heute Nacht“, sagte Papa, „alles ist weiß und ich würde gerne einen Winterspaziergang mit euch machen.“

„Ui ja!“, jubelte Toni. Sein Herz klopfte wie wild vor Freude. Martin zog eine Augenbraue hoch und musterte Papa. Wahrscheinlich suchte er in dessen Gesicht nach Anzeichen dafür, dass sein Vorschlag ein Scherz war.

„Ich meine es ernst“, sagte Papa, als könne er Martins Gedanken lesen, „und ihr kommt beide mit. Keine Widerrede!“

Toni sprang auf und umarmte Papa stürmisch. Martin schlug die Hände vors Gesicht und stieß einen langen Seufzer aus.

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