Adventskalender 2018

17. Dezember


Eine halbe Stunde später stapften sie dick eingemummelt durch den Schnee. Der Winterdienst hatte zwar die Straßen freigeräumt, dafür lagen auf den Gehwegen gut zehn Zentimeter Neuschnee. Es war ein herrlicher Dezembervormittag, klirrend kalt, aber sonnig. Toni hielt Papas Hand und sprang begeistert von einem Schneehaufen in den nächsten. Martin ging einige Schritte hinter ihnen, hatte die Hände tief in den Taschen vergraben und schmollte.

Am Ende ihrer Straße lag ein kleines Wäldchen, auf das sie zusteuerten. Dort waren sie früher oft zu viert gewesen, doch seit letztem Jahr hatte keiner von ihnen mehr einen Fuß hineingesetzt.

An einem Schild, das darauf hinwies, dass die Waldwege weder geräumt noch gestreut wurden, blieben sie stehen.

„Seid ihr bereit?“, fragte Papa. Toni nickte, Martin schwieg.

Die ersten Meter des Waldweges waren so schmal, dass sie hintereinander gehen mussten. Papa ging vorneweg, Martin folgte ihm missmutig und Toni machte das Schlusslicht. Er war sich sicher, dass Mama sie begleitete. Mehrmals sah er sich nach ihr um, konnte sie aber hinter keinem der Bäume entdecken. Sie näherten sich gerade einer Lichtung, als plötzlich ein Schneeball an Toni vorbeiflog und Martin am Rücken traf. Sein Bruder fuhr herum.

„Sag mal, spinnst du?“, schrie er und funkelte Toni wütend an. Auch Toni drehte sich um, sah aber niemanden hinter sich.

„Ich war das nicht“, stammelte er.

„Du willst mich wohl für dumm verkaufen?“, rief Martin, formte einen großen Schneeball und stürzte sich damit auf Toni. Der Größere riss den Kleineren zu Boden und stopfte ihm den Schnee hinten in den Kragen seiner Winterjacke. Toni jaulte auf, als ihm die Kälte in Rinnsalen den Rücken hinunterlief.

„Na warte!“, fauchte er und rieb Martin eine Handvoll Schnee ins Gesicht.

Kurz darauf kugelten sich die beiden auf dem Boden und versuchten sich gegenseitig Schnee in die Kleidung zu stecken oder ins Gesicht zu werfen. Es dauerte nicht lange und Martin gewann die Oberhand. Er packte Toni an den Schultern und drückte ihn in den Schnee. Schwer atmend sahen sie sich an. Martin hatte nicht nur weiße Klümpchen in den Haaren kleben, sondern auch in einem Nasenloch.

„Du siehst aus wie der Yeti“, sagte Toni und konnte sich das Lachen nicht länger verkneifen.

Martin nahm eine Handvoll Schnee und drückte sie Toni mitten ins Gesicht.

„Du auch“, sagte er und grinste. Dann rollte er sich von Toni herunter.

Lachend und prustend lagen die beiden nebeneinander im Schnee und hielten sich die Bäuche.

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