Adventskalender 2018

21. Dezember


„Es wird Zeit, dass wir uns endlich um euren Baum kümmern“, sagte Mama, als sie in dieser Nacht zu Toni kam, und klatschte voller Tatendrang in die Hände.

Toni lachte. Den Weihnachtsbaum zu schmücken, hatte Mama schon immer die größte Freude bereitet. Normalerweise hatten Toni und Martin währenddessen mit Papa ins Hallenbad oder ins Kino gehen müssen, dieses Mal würde Toni ihr also zum allerersten Mal dabei helfen.

Und zum letzten Mal, schoss es ihm durch den Kopf, doch er schob den Gedanken schnell beiseite.

Im Wohnzimmer stand schon der Tannenbaum bereit, den Papa am Montag besorgt hatte.

„Hast du den hier reingeschafft?“, fragte Toni.

„Natürlich, wer sonst?“, entgegnete Mama.

Toni nickte. Wenn es nach Papa ging, würde der Baum auf der Terrasse vergammeln, bis sie ihn irgendwann im Frühjahr entsorgten.

„Ich glaube, Papa hat den Baum total vergessen“, sagte er. „Seit vorgestern ist er wieder so komisch.“

„Ist mir auch aufgefallen“, antwortete Mama. „Morgen ist nun mal mein erster Todestag, das nimmt ihn sehr mit.“

„Aber er hat doch versprochen, dass wir trotzdem Weihnachten feiern, auch für dich“, sagte Toni und zog eine Schnute.

„Weißt du, Anton, manchmal ist das mit dem Versprechen für uns Erwachsene gar nicht so leicht. Papa will sein Versprechen ganz bestimmt nicht brechen, aber das alles ist unglaublich schwer für ihn.“

„Das versteh ich schon“, murmelte Toni, „aber wir wollen ihm doch nur helfen!“

„Ja, das wollen wir. Aber das kann Papa nicht ahnen.“ Mama knuffte ihn in die Seite. „So, und jetzt hör auf zu schmollen und hilf mir, den Baum zu schmücken!“

Zuerst schleppten sie alle Kisten mit Weihnachtsschmuck aus dem Keller nach oben und stellten sie im Wohnzimmer nach Farben sortiert ab. Nun standen sie inmitten von unzähligen Kugeln, Glasfiguren, Strohsternen, kitschigen Vogelanhängern und aufgerollten Lichterketten.

„Puh“, stöhnte Toni, „ich wusste gar nicht, dass wir so viel Zeug haben!“

Mama lächelte verlegen: „Was meinst du, warum unser Baum jedes Jahr in einer anderen Farbe geschmückt war? Papa hatte vielleicht doch recht damit, dass ich süchtig nach Weihnachtsschmuck bin.“

„Ganz sicher sogar.“ Toni kratzte sich am Kopf. „Wofür sollen wir uns denn entscheiden? Wir können unmöglich alles an den Baum hängen.“

„Such dir eine Farbe aus“, schlug Mama vor.

Toni drehte sich einmal um die eigene Achse und ließ seinen Blick über die vielen Kisten schweifen. Dann sagte er: „Lila ist deine Lieblingsfarbe. Also nehmen wir die.“

„Martin wird begeistert sein“, lachte Mama.

Toni legte die Stirn in Falten und dachte nach. Schließlich sagte er: „Was hältst du davon, wenn wir unsere vier Lieblingsfarben mischen?“

Mama zog die Augenbrauen hoch: „Das wird auf jeden Fall eine interessante Kombination.“

Während Mama die Lichterkette anbrachte, suchte Toni die passenden Kugeln zusammen. Anschließend schmückten sie den Baum damit. Mama behängte die oberen Zweige, Toni kümmerte sich um die unteren. Als sie fertig waren, traten sie einige Schritte zurück und betrachteten ihr Werk.

„Immerhin sieht unser Weihnachtsbaum sehr originell aus“, meinte Mama.

„Mir gefällt er“, sagte Toni.

„Das ist die Hauptsache“, antwortete Mama, „und ich bin sicher, den anderen wird er auch gefallen. Papa hatte sowieso noch nie Sinn für Farben.“

Toni warf ihr einen tadelnden Blick zu. Dann begannen beide zu lachen.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s