Lyrik

Du

Für meine Oma († 07.01.2017)

 

DU fehlst heute. Und doch bist du hier – mitten unter uns.

In unseren Herzen, in unseren Gedanken, in unseren Tränen

und vor allem – und das ist für dich das Wichtigste – in unserem Lachen.

 

DU hattest es nicht immer leicht im Leben.

Und dennoch bist du von einer unerschütterlichen Offenheit,

freundlich, charmant und humorvoll.

Wenn du könntest, würdest du jetzt einen Witz erzählen

– und ganz bestimmt keinen jugendfreien.

 

DU hältst nichts davon, das Leben allzu ernst zu sehen.

Davon zeugen deine Spontanität und deine verrückten Einfälle.

Nicht umsonst bist du barfuß mit mir durch frische Kuhfladen gerannt

und amüsierst dich auch dreißig Jahre später noch immer köstlich darüber.

Mit dir braucht man auch keinen Schlitten.

Weil man ebenso gut auf dem Hosenboden einen Hügel hinunterrutschen kann.

 

DU erzählst die besten Geschichten und Anekdoten.

Ab und an unterbrochen von einem „Wia wui sogn, Schatzl?“.

Dann merkt man, dass du auch anders kannst:

ernsthaft, nachdenklich, mit viel Weisheit.

Aber nie mit moralischem Zeigefinger. Weil du so nicht bist.

 

DU hast mich einmal gefragt, ob es schlimm für mich wäre,

deine Statur geerbt zu haben.

Doch ich weiß, dass ich noch so viel mehr von dir habe:

Auf andere Menschen zuzugehen,

bewaffnet mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern.

Das Talent, Geschichten zu erzählen und dennoch zuhören zu können.

Mir fällt zu jeder Situation ein passender – oder manchmal auch unpassender – Kommentar ein.

Ich spreche oft, bevor ich darüber nachdenke.

Meine Sprüche können wahre Schenkelklopfer sein.

Meine Kollegen sagen deswegen, ich sei gut fürs Arbeitsklima.

Wenn sie dich kennen würden, wüssten sie genau,

warum ich bin, wie ich bin.

 

 

DU und ich – wir haben auch unsere Macken.

Wir trinken zu wenig, weil wir keinen Durst haben.

Wir mögen es nicht, wenn uns jemand am Hals berührt,

Massagen sind uns ein Gräuel.

Wir sprechen beide nicht gern über unsere wahren Gefühle,

verstecken uns lieber hinter witzigen Bemerkungen und flapsigen Sprüchen.

Wir tun Probleme gern als Nichtigkeiten ab.

WIR verstehen uns – auch ohne Worte.

 

DU bist jetzt wieder bei deinem „Giuseppe“.

Und ich weiß, dass er verschmitzt darüber lacht, wie es seine Art ist,

weil nun Leben in die Bude kommt.

Denn wo du bist, wird es einem nicht so schnell langweilig.

Deswegen hat der liebe Gott dich heimgeholt.

Er ist froh, dich endlich bei sich zu haben.

Uns zuliebe hat er lange auf dich verzichtet.

 

DU genießt nun das ewige Leben.

Ich bin sicher, du bist im Paradies.

Du gehörst dort einfach hin,

weil du ein Paradiesvogel bist.

 

Zum Abschluss möcht ich noch eines sagen.

Alle sollen es wissen

und jeder soll es hören.

Ich bin gerne so wie … DU!

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Lyrik

Was ist MUT ?

Malochen unter Tage

 

Mitten unter Tigern

 

Mit Ungeheuern tauchen

 

Mehrere Unterhosen tragen

 

Mixer unterm Tannenbaum

 

Mutters Unterweisungen torpedieren

 

Morgens Ungeziefer töten

 

Mit Ufos trampen

 

Machosprüche ueber Tagesmütter

 

Mütze ueberm Toupet

 

Mit Untalentierten tanzen

 

Minenfelder unterschätzen… tot!

 

Mit Ungepflegten techtelmechteln

 

Mister Unbekannt treffen

 

Meckern ueber Trainertaktik

 

Mittagsschlaf unterm Torpedoangriff

 

Morgens Underberg trinken

 

Marzipan und Tafelspitz

 

Motorradfahren und telefonieren

 

Machtergreifungsversuche unter Tyrannenherrschaft

 

 

Lyrik

Hexenfeuer

Wir sind hier erschienen, das Feuer zu sehn

Tausende jubeln dem Scharfrichter zu

Die Sünderin soll heut in Flammen aufgehn

Sie ist die Hexe von Limoux

 

Was wirft man ihr vor? Uns kümmert es nicht

Die Flamme der Gerechtigkeit zünden wir an

Der Feuerschein färbt ihr teuflisch’ Gesicht

Uns zieht sie nicht länger in ihren Bann

 

Ein Lodern, ein Knistern erfüllt die Nacht

Ihr Körper erbebt am hölzernen Pfahl

Der Tod wird sie berauben all ihrer Macht

Wir schließen die Augen im Angesicht der Qual

 

Die Flammen schießen zum Himmel empor

Herr, reiße der Hexe ihr Herz entzwei!

Laut sprechen wir unsre Gebete im Chor

Von ihren Lippen löst sich nicht ein Schrei

 

*****

 

Die sengende Hitze raubt mir den Verstand

Im Tosen des Feuers finde ich keine Ruh’

Lüsterne Flammen umspielen meine Hand

Ich bin die Hexe von Limoux

Lyrik

Der Stern

Wenn ein Stern vom Himmel fällt,

uns mit seinem Glanz umhüllt,

uns unsren größten Traum erfüllt,

dann steht sie still, die Welt.

 

Herzrasende Glückseligkeit,

unverfälscht, so schön und rein,

und für immer dein und mein,

ein Lächeln für die Ewigkeit.

 

Manch Wunsch lässt uns allein zurück.

Wird wieder Stern am Firmament.

Keiner, der jeden beim Namen nennt.

Es lässt sich nun mal nicht zwingen, das Glück.

 

Das Universum ist so weit.

Wir sehen die Dinge nur manchmal nicht klar.

Nicht alle Träume werden wahr.

Dann steht sie still, die Zeit.

Lyrik

Abschied

Für Valerie und Josef – in Liebe.

Hätt’ ich nur geahnt, dass du mich verlässt,
– egal wie weit, ich wär’ zu dir geeilt.
Doch manchmal bleibt vom Leben zu wenig Rest.
Ich hätt’ mir gewünscht, du wärst länger verweilt.

Du hast dich davongestohl’n wie ein Dieb,
ganz heimlich und leise in jener Nacht.
Mein gebrochenes Herz ist alles, was blieb.
Und die Hoffnung, dass Er nun über dich wacht.

Wie gern hätt’ ich gehalten noch mal deine Hand.
In deinen Augen geseh’n, dass du mich liebst.
Dieser plötzliche Abschied raubt mir fast den Verstand
Und ich wünsch mir von Herzen, dass du mir vergibst.

Warum war ich nicht da, als die Zeit für dich kam?
Wär’ so gern gegangen deines Wegs letztes Stück.
Dich noch einmal zu halten in meinem Arm.
Doch solche Momente kommen niemals zurück.

Vertan ist vertan – eine Erkenntnis die bleibt.
Schuldtriefende Trauer legt sich auf mein Gewissen.
Kein Tag, an dem mich nicht diese Leere umtreibt.
Auf ewig werd’ ich deine Wärme vermissen.

Ein Stern blitzt am Himmel auf – hell leuchtend und klar.
Ich weiß ganz genau, dass du noch bei mir bist.
Ohne dich ist nichts mehr, wie’s vorher war.
Weil die Welt ein Stück kälter geworden ist.

Ich denk zurück an die Tage, die ich mit dir teilte.
Wir schritten im Gleichklang unsrer Herzen durchs Leben.
Als das Glück noch wie selbstverständlich verweilte.
Dich lieben zu dürfen, hat mir so viel gegeben.

Es war an der Zeit, du musstest ohne mich geh’n.
Erinnerungen helfen, den Verlust zu ertragen.
Ich kann nur hoffen, dich wiederzuseh’n.
Es gibt so viele Dinge, die würd’ ich dir gern sagen.

Sieh noch einmal zurück und trockne meine Tränen!
Du wirst immer einen Platz haben in meinem Herz’.
Ich gebe dich frei und dennoch bleibt dieses Sehnen.
Und sei dir gewiss, dein Fehl’n ist mein Schmerz!

Lyrik

Nebel

Umschlossen von deiner Allgegenwart,
wandelnd in einem Labyrinth aus dichtem Weiß.
Keinen Gedanken verschwenden an später.
Mich mitreißen lassen von deiner Gier.

Ich will mich in dir verlieren, vergessen.
Blind und taub für alle Eindrücke von außen.
Nichts sehen, nichts hören, nichts spüren.
Nur deine klamme Umarmung.

Reich mir die kühle Hand, mein Geliebter.
Küss mich mit feuchtkaltem Hauch.
Streichle meine Sinne, benetze meine Haut
mit spinnwebengleicher Gaze.

Selbst undurchdringlich,
durchdringst du mich.
Lässt mich erschauern unter deiner Berührung.
Hältst mich gefangen mit eisiger Macht.

Sollte ich sterben, dann in deinem Arm,
bedacht mit einem Schleier aus luftzartem Sehnen.
Wenn du hinfort ziehst, so nimm mich mit dir.
Vergangen wie ein blasses Schauspiel am Horizont.

Lyrik

Jambo Zanzibar

Ungeahnte paradiesische Schönheit
Mein Herz fest umklammert von deiner Exotik
Glühendes Wispern streicht sanft über meine Haut
Windgehauchtes Rascheln im Palmenhain

Weißes Sandkorn geküsst von kristallblauem Sehnen
geschieden vom Wechselspiel der Gezeiten
Verlockendes Rauschen kündigt die Nacht an
Ein göttliches Funkeln am schwarzen Firmament

Herzlichkeit und Güte sind dein Schwert und Schild
im Kampf gegen Angst, Verzweiflung und Sorge.
Unaufgesetzte, ehrliche Freude
Ein Reichtum, nicht aufzuwiegen in Gold

Die steinerne Stadt öffnet weit ihre Tore
reißt mich fort in pulsierend-buntem Treiben
Lebensfreude überdauert alles Dunkel
lässt sich nicht versklaven von Macht, Gier, Gewalt

Zum Abschied drückst du mich sacht an dein Herz

Schwer lastet die Sehnsucht auf meiner Seele.
Werde ich jemals zu dir zurückkehren?
Dein warmherziges Lachen ist Antwort genug:
Hakuna Matata – sei unbesorgt!

Lyrik

Kinder des Krieges

Ein Haus in der Sonne
Erbaut mit eigener Hände Kraft
Zuflucht
Heimat
Geborgenheit
Liebe
Dem Erdboden gleich gemacht in einem Augenblick
Kinderlachen verklungen
Heiße Tränen
Schweres Herz
Leere Hände
Schutzlos

Ein Tag mit der Familie
Pulsierende Stadt voller Leben, voller Kraft
Vorfreude
Gemeinschaft
Lebensmut
So viel vor
Die Straßen erzittern unter der Detonation
Granatsplitter in einer kleinen Seele
Blutroter Sand
Tote Augen
Taube Ohren
Machtlos

Für Mohamed und Weam, meine Kinder Syriens.

Lyrik

Reisfelder

Unergründliche Weiten
Ein Gräsermeer
Mir kommt es so vor,
als ob’s unendlich wär

Knöcheltiefes Wasser
Die Sonne sticht
Unser hartes Tagwerk
erkennen sie nicht

Die Welt soll’n wir nähren
Doch zu welchem Lohn?
Menschen verhungern
Der blanke Hohn

Die Reichen drücken die Preise
Alles nichts wert
Das Grauen von Biafra
hat ihnen keiner erklärt

Ein Blick über die Felder
Weißes Gold
Das Sehnen nach Gleichheit
hat der Teufel geholt

Lyrik

Hoffnungslos

Öffne die Tür zu deinem Herzen
lass mich eintreten
Donnergrollen
Rauschende Brandung
Hörst du das Sehnen meiner Worte?

Öffne das Fenster zu deiner Seele
lass mich einen Blick riskieren
Flammendes Inferno
Gleißendes Licht am Horizont
Siehst du das Flackern in meinen Augen?

Öffne das Tor zu deiner Welt
schließ mich nicht aus
Klirrende Kälte
Eisiger Hauch
Spürst du, wie ich langsam sterbe?

Hoffnungslos